Fast eine Nahtod-Erfahrung

Es gibt Stücke, die ich sofort mag, wenn wir sie proben, wie jetzt Wolfgang Rihms “Gesungene Zeit”. Dann noch Benjamin Schmid als Solist zu haben, ist ein Traum.

Die große C-Dur-Sinfonie von Schubert, zuerst als schwere Matinee-Kost zum 3. Oktober in der eigenen Halle, dann in der Essener Philharmonie, wird wohl immer eine Herausforderung bleiben. Vor der Matinee frage ich mich, welches Orchester sie zuletzt, vor uns, in der Historischen Stadthalle am Johannisberg gespielt hat, und es fällt mir die Staatskapelle Dresden ein, irgendwann 1998, 1999 oder 2000 muss es gewesen sein.

Sie werden sich kaum besser gefühlt haben an dieser Stelle, ziemich am Ende des langsamen Satzes:

Du hast dich voll verausgabt, kommst von oben angeschossen und haust die Repetitionen in den Saal, die Kollegen um dich sind *laut*, dann Generalpause, und jetzt pianissimo, du hast noch zwei pizzicato-Anläufe, die “steckenbleiben”, dann spürst du, dass es still wird, alles wegbricht, es fühlt sich an wie wenn du stirbst, und da hinein musst du mit den Cellokollegen (und -kolleginnen) diese Kantilene spielen…. fast eine Nahtod-Erfahrung. Nein, Schubert, das verzeih ich dir nie.

Ich habs überlebt. Aber spannend war es schon.

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Autor: micha
Datum: Sonntag, 5. Oktober 2008 1:43
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