Mittwoch, 1. März 2006 2:04
Letzte Woche, Mittwoch: Bloglesung beim Handelsblatt in Düsseldorf. Frau Nuf brachte Brad mit. Ich hatte B. eingeladen – zu einer Bloglesung, wie mutig, wo sie doch gerade erst meine eigene Bloggerei halbwegs akzeptiert hat. Mit Kommentaren wie: “Mann, was kostet das Zeit!” – ich: ich hab dafür kein Fernsehen! – und “ja, ich weiß, du entspannst dich dabei…”.
Also, wie war´s? Am Anfang Erstaunen, dass wir mit unserer kurzfristigen Anmeldung noch in den Kinosaal kamen. Ich hatte mich lange nicht gekümmert, denn eigentlich sollte ich an dem Abend Dienst haben. Doch dann brachte Johannes Rau den halben Januar und den ganzen Februar durcheinander, und ich hatte Zeit.
Statt wie geplant im Januar beim 75. Geburtstag von Johannes Rau zu spielen, mit Konrad Beikircher als Überraschungsgast, fiel alles aus, weil es Rau nicht gut ging. Ich hätte gerne noch eine Rede von ihm gehört. Es wäre wahrscheinlich spannend geworden. Nicht wie Clement (kennt den noch jemand?), der beim Schwebebahn-Jubiläum über den Metro-Rapid halluzinierte und die Leute im Saal gegen sich aufbrachte: “Wir machen eine Linie über Bonn, Köln, Düsseldorf, Essen, Bochum, Dortmund. Und in der zweiten Ausbauphase kommt dann Wuppertal dazu.” Das war 2001. Leere Worte.
Raus Geburtstagsfeier fiel aus. Es gab keinen Termin und keine Fotos, nichts zu schnorren beim lokalen Fotomann. Bei “100 Jahre Barmenia” hat es funktioniert: Genscher am Rednerpult und auf der Leinwand, ein französisches Cello, ein Blogger.

(Foto: Andreas Fischer)
Genschers Rede im Dezember 2004 hätte jedem grünen Außenminister zur Ehre gereicht. Wie gut können Leute öffentlich denken und den Amerikanern die Leviten lesen, wenn sie nicht mehr in der Verantwortung stehen. Uno, Irak, Völkerrecht, Guantanamo.
Nun gibt es ein Gedenkkonzert für Johannes Rau am 5. März. Der Dienstplan wurde noch einmal durchgeschüttelt, der Mittwochabend frei. Plötzlich kann ich nach Düsseldorf.
Vor Ort, im Kino – auf der Seite warten Frau Modeste und Don Alphonso auf den Beginn – kommt die Erinnerung an ein Gefühl hoch. Was war das noch? Ach ja, so fühlte es sich an, Miles Davis zum erstenmal live zu sehen. Oder Wayne Shorter mit einem Meter Abstand. Oder Rostropowitsch.
Damals im Konzert wäre ich nicht auf die Idee gekommen, “Hallo Miles!” zu rufen. Unpassend, oder? Ich will ja nicht in die Band… Genauso doof finde ich die “Da ist der Don!”-Rufe im Kino.
Dann geht es auch schon los, mit den Luther-Thesen als Referenz fürs Bloggen. Sehr originell.
Frau Modeste bekommt die undankbare Aufgabe, als erste zu lesen (und lieber Thomas Knüwer, dazu habe ich am Schluß noch ein paar Hints. Aus Musikerperspektive.)
Melancholie Modeste, ein Blog, wo ich mich manche Texte wie ein Blitz treffen, beispielsweise Schuberts Winterreise. Da kennt jemand meinen Beruf besser als ich selbst und schafft es mühelos, vergangene Konzerterlebnisse wieder hochzuholen. Und diese Sprache!
Heute liest Frau Modeste “Das tibetanische Steinsalz“. Ich kenne den Text und finde es umso schöner, wie sie ihn klingen läßt. Spätestens jetzt steht fest: Ich finde Bloglesungen gut.

Don Alphonso macht weiter. “Skalpe meiner Feinde”, darin die Geschichte von Peters Rolex, sehr passend und gut gelesen. Dons zweiten Text, ganz neu, Die Sache mit dem Brokat, finde ich für eine Bloglesung zu “dick”, obwohl ich ihn schon gelesen hatte. Anyway, Brokat ist immer ein gutes Thema für einen, der in Böblingen zur Schule ging ;-)

Frau Nuf: Die Neuentdeckung des Abends. Bei Felix kann ich am schlechtesten einschätzen, wo es für ihn unangenehm ist (“das ist so klein gedruckt hier”) und wo einfach sein Stil, den ich an seinem Blog schätze.

Don Dahlmann, Kleine Agentur …. auch gut. Mir geht hier die Puste aus…
Dank ans Handelsblatt, Dank an Thomas Knüwer.
Ein paar Wünsche an die Gastgeber seien verziehen, bitte:
Wir haben es nicht mit Schauspielern zu tun, die (fast) alles aushalten. Bitte die Auftrittsituation entschärfen, also die Bloggerinnen und Blogger länger in einem Backstage-Bereich lassen. Dann ankündigen und rauf auf die Bühne, zack, los.
Vorher Leselampe und Mikro-Höhe checken. Oder über Microport nachdenken. Wenn die Blogger das akzeptieren.
Zwischen die Blöcke Musik. Ein Flügel ist ja schon da. Jazztrio vielleicht. Jeweils einen Standard zwischen die Beiträge, höchstens zwei Chorusse. Dann kommt das nicht so hart nacheinander.
Fotografieren mit Blitz vorher verbieten.
Wiederholen.